Die Big Five sind die wohl das bekannteste und verbreitete Persönlichkeitsmodell, dass auch außerhalb der Psychologie häufig zur Beschreibung der Persönlichkeit verwendet wird. Es wird angenommen, dass die Big Five ein Pesönlichkeitsmodell bilden, welches die gesamte Persönlichkeit beschreibt. Diese Annahme wurde aber häufig kritisiert. Im Folgenden werden eine Reihe von Studien vorgestellt, welche die Vollständigkeit der Big Five in Frage gestellt haben und Erweiterungen vorgeschlagen haben.

 

Ein Kritikpunkt an den Big Five betrifft ihre Vollständigkeit, d. h. das Ausmaß, in welchem alle wichtigen Persönlichkeitsbereiche durch die Big Five abgedeckt werden (Saucier und Goldberg, 1998). Da die Big Five im Rahmen des lexikalischen Ansatzes entdeckt wurden, können die Big Five auch nur solche Persönlichkeitsfaktoren enthalten, für die Begriffe berücksichtig wurden. Ausgehend von der psycholexikalischen Studie von Allport und Odbert (1936), entwickelt Cattell (1943, 1947, 1948) einen Satz von 35 Variablen, denn er als repräsentativ für die gesamte Persönlichkeit ansah. Dabei konzentrierte er sich ausschließlich auf die Kategorie Dispositionen des von Allport und Odbert entwickelten Kategoriensystems. Untersuchungen mit diesen grundlegenden persönlichkeitsbeschreibenden Begriffen, hauptsächlich durchgeführt von Tupes und Christal (1961), führten schließlich zur der Entdeckung der fünf Persönlichkeitsfaktoren, die heute als die Big Five bekannt sind (für einen zusammenfassenden Überblick vgl. DeRaad, 2000).

Dieses Vorgehen bedeutet aber zwangsläufig, dass Persönlichkeitsfaktoren, die nicht zur Differenzierung von Dispositionen bestimmt sind, nicht in den Big Five enthalten sind. Nach Saucier und Goldberg (1998) fallen hierunter unter anderem Begriffe, die sich auf soziale Evaluationen und äußerliche Charakteristika beziehen. Diese Begriffe finden sich in den Kategorien „Gesellschaftliche und soziale Aspekte“ und „Äußerliche Charakteristika“ des Bielefelder Kategoriensystem IKS von Angleiter, Ostendorf und John (1990, siehe auch Angleitner und Ostendorf, 1994). Das Problem der Big Five ist nun, dass sie sich nur auf die Kategorie Dispositionsbegriffe des IKS beziehen.

Verschiedene Autoren haben unterschiedliche Vorschläge für Faktoren unterbreitet, bis jetzt nicht berücksichtigt wurden, z. T. überschneiden sich die Vorschläge inhaltlich. Eine siebenfaktorielle Persönlichkeitsstruktur („Big Seven“) wurde von Almagor, Tellegen und Waller (1995) vorgeschlagen. Die Autoren konnten die Big Five Faktoren I-IV replizieren. Den fünften Faktor nannten sie Konventionalität. Durch das Einbeziehen stark wertender Begriffe fanden sie darüber hinaus die Faktoren Positive Valenz und Negative Valenz. Buss (1996) vermutet, dass Persönlichkeitsunterschiede in Bezug auf die Sexualität ebenso nicht in dem Rahmen der Big Five fallen und somit einen eigenständigen Faktor bilden können. Nach einem Vorschlag von Henss (1996, 1998) kann Attraktivität auch einen eigenständigen Faktor bilden, was im Übrigen auch in den zitierten Arbeiten bestätigt wurde. John (1989) zu Folge können Eigenschaften, die traditionelle Werte, Individualität/Autonomie, Reife, physische Charakteristiken und Geschlecht beschreiben, außerhalb der Big Five liegen. Goldberg (1990) fand Faktoren, deren Adjektive Sinnlichkeit und Religiosität beschreiben, die möglicherweise ebenso nicht im Rahmen der Big Five zu finden sind. Andere Vorschläge für weitere, z. T. schon genannte Faktoren sind: Risikobereitschaft (Andresen, 1995), Gefühlsbetontheit und Verstandesbetontheit (Becker, 1996), Selbstsicherheit und Eigenständigkeit (Henss, 1995), Konservatismus, Religiosität (Ostendorf und Angleitner, 1996, Saucier und Goldberg, 1998), Sexuelle Einstellungen und Verhaltensweisen sowie physische Attraktivität (Henss, 1996).

Um die Frage, welche Faktoren sich zusätzlich zu den Big Five finden lassen – oder etwas anders formuliert: welche Faktoren nicht im Raum der Big Five liegen – empirisch zu klären wurden von einigen Autoren empirische Untersuchungen durchgeführt.

 

Eine erste Untersuchung zu diesem Thema - die als Posterpräsentation auf der Tagung der ISSID vorgestellt wurde -  wurde von Henss (1997) durchgeführt. Ziel dieser Untersuchung war die Suche nach Persönlichkeitsfaktoren zu suchen, die nicht mehr im Beschreibungsrahmen der Big Five liegen. Henss verlässt dabei den Rahmen traditioneller Persönlichkeitsbeschreibung im Sinne von Dispositionen und wendet sich Aspekten zu, die die Person in weiterem Sinne (z. B. körperliche und gesellschaftliche Aspekte) beschreiben. Dazu kommt noch, dass die Big Five aus kleinen, nicht-zufälligen Stichproben von persönlichkeitsbeschreibenden Adjektiven abgeleitet wurden. Diese Beschränkungen wollte Henss in dieser Untersuchung umgehen. Dazu wählte er folgendes methodisches Vorgehen:  Eine Hälfte der Adjektive wurde aufgrund von a priori-Annahmen ausgewählt. Diese sollten die Big Five sowie einige Faktoren beschreiben, die in der Literatur vorgeschlagen wurden. Zu den zusätzlichen a priori-Faktoren zählten Risikopräferenz, Konservatismus, Religiosität, Selbstsicherheit, Gefühlsbetontheit, Sinnlichkeit/Verführbarkeit, Attraktivität, Gesundheit, Jugendlichkeit, Modebewusstsein, soziale Effekte, Körperbau sowie die Stimmungsaspekte Valenz und Aktivität. Die andere Hälfte der Adjektive wurde zufällig ausgewählt. Diese zweite Hälfte wurde dann wiederum in zwei Teile gegliedert. Die Adjektive des ersten Teils wurden zufällig aus der Bielefelder Liste mit 5160 Adjektiven ausgewählt. Die Adjektive des zweiten Teils wurden aus einer Liste 2400 Adjektiven ausgewählt, die der Autor selbst gesammelt hat (Saarbrücker Liste). Die komplette Liste bestand aus 396 Adjektiven, von denen also 198 die a priori Persönlichkeitsdimensionen abdecken sollten und je 99 Adjektive eine Zufallsauswahl aus der Bielefelder und Saarbrücker Liste repräsentierten. Mit dieser Liste wurden die Selbstbeurteilungen von 246 Männern und 247 Frauen auf einer vierstufigen, unipolaren Skala erhoben. Der Altersbereich lag zwischen 17 und 60 Jahren mit dem Interquartilbereich zwischen 21 und 34 Jahren.

Die Auswertung erfolgte mittels einer Hauptkomponentenanalyse mit Varimaxrotation, wobei die sich ergebenden Faktoren invariant gegenüber der angewandten Rotationsmethode waren. Henss fand eine 12-Faktoren Lösung. Es ergaben sich die Faktoren Antagonismus und Unverträglichkeit, Emotionale Labilität, Gewissenhaftigkeit, Physische Attraktivität, Positive Stimmung und Extraversion, Introversion und Farblosigkeit, Intellekt und Offenheit, Risikopräferenz, Religiosität, Sinnlichkeit und Verführbarkeit, Jugendlichkeit und Gesundheit sowie Figur. Diese Faktoren klärten jeweils 14,2%, 13,5%, 10,6%, 10,3%, 10,1%, 7,5%, 7,4%, 7,4%, 5,8%, 5,3%, 4,1% sowie 3,8% an Varianz auf. Die Faktoren mit den jeweils hoch ladenden Items sind in Tabelle 1 aufgeführt.

1. Antagonismus/Unverträglichkeit

2. Emotionale Labilität

machthungrig
überheblich
rücksichtslos
gewaltsam
machtbewusst
mitleidlos

egoistisch
suchend nach Anerkennung
eingebildet
aggressiv

depressiv
schutzbedürftig
ängstlich
überempfindlich
verletzlich

traurig
verletzlich
selbstbemitliedend
voll von Sorgen
wimmernd

3. Gewissenhaftigkeit

4. Physische Attraktivität

pflichtbewusst
eifrig
strebsam
gewissenhaft
diszipliniert

sorgsam
sachlich
vernünftig
fähig
verantwortungsvoll

attraktiv
hübsch
gut aussehend
verführerisch
schön

sexy
erotisch
modisch
bewundernswert
begehrt

5. Positive Stimmung/Extraversion

6. Introversion/Farblosigkeit

fröhlich
gesprächig
gut gelaunt
glücklich
freudig

froh
lustig
lebhaft
gesellig
freundlich

desinteressiert
ungesellig
still
lustlos
reserviert

willenlos
abhängig
unkonzentriert
ideenlos
scheu

7.  Risikopräferenz

8. Intellekt/Offenheit

wagemutig
risikobereit
couragiert
abenteuerlustig
tollkühn

kämpferisch
kampfbegierig
experimentierfreudig
tapfer
eigenständig

intelligent
scharfsinnig
gebildet
begabt
weise

produktiv
geistreich
einfallsreich
fesch
kreativ

9. Religiosität

10. Sinnlichkeit/Verführbarkeit

reu
gottgläubig
religiös
gottesfürchtig
fromm

christlich
orthodox
andächtig
atheistisch
gottlos

lasziv
hedonistisch
liebesdurstig
devot
verführbar

leidenschaftlich
vergnügungssüchtig
knuddelig
freizügig
geil

11. Jugendlichkeit/Gesundheit

12. Figur

jung
gesund
krank
alt
durch und durch gesund

jugendlich

beleibt
übergewichtig
pummelig
schlank
hager

athletisch
sportlich
fit
sportbegeistert

Es lassen sich also die Big Five direkt nachweisen. Darüber hinaus finden sich noch Faktoren, deren Inhalt in die Kategorie Dispositionsbegriffe des IKS (genauer die Unterkategorie Temperament und Charakter-Eigenschaften) fällt, die jedoch unabhängig von den Big Five sind. In dieser Studie sind dies die Faktoren Risikopräferenz und Sinnlichkeit/Verführbarkeit. Und schließlich finden sich noch Faktoren, die nicht in die Kategorie Dispositionsbegriffe fallen. Hier sind dies Religiosität, Physische Attraktivität, Jugendlichkeit/Gesundheit und Figur. Diese Faktoren gehören eher den Kategorien Gesellschaftliche und soziale Aspekte und Äußerliche Charakteristika, Erscheinungsbild an. Auffällig ist, wie sehr einige Faktoren genau die Eigenschaften wiedergeben, die wir in Abschnitt 1.4 diskutiert haben. So entspricht der Faktor Physische Attraktivität genau derjenigen Dimension, auf der eine Person im Rahmen der Präferenz für attraktive Partner aus der SST (Buss und Schmitt, 1993) beurteilt werden müssen. Der Faktor Figur gibt die Aspekte wieder, die sich auf das waist-to-hip-ration und die Körperfettverteilung bei Frauen beziehen. Den Faktor Jugendlichkeit/Gesundheit bezieht auch die den Partnerwert einer Person, dieser ist bei gesunden Personen höher als bei nicht gesunden Personen.

Saucier und Goldberg (1998) beschäftigen sind in einer breit angelegten Untersuchung mit dem Titel „What is Beyond the Big Five“ mit dem Thema, welche Persönlichkeitsfaktoren nicht zu den Big Five gehören. In einem ersten Schritt erstellten die Autoren eine umfassende Adjektivliste. Diese Adjektive wurden schließlich in sogenannte Cluster zusammengefasst. Diese Cluster wurde anhand von vier Stichproben erhoben, die mittels Selbst- und Fremdbeurteilungen die von den Autoren erarbeitet Adjektivliste bearbeiten. Die erste Stichprobe bestand aus 320 Selbstbeurteilungen und 316 Bekanntenbeurteilungen mit 540 Adjektiven. Die zweite Stichprobe bestand aus 187 Selbstbeurteilungen an 1710 Adjektiven. Die dritte Stichprobe bestand aus 360 Selbstbeurteilungen und 329 Bekanntenbeurteilungen an 360 Adjektiven. Die vierte Stichprobe bestand aus 201 Bekanntenbeurteilungen auf 525 Adjektiven. Die Stichproben 1, 2 und 3 bezogen sich auf die Adjektive, die in der Kategorie Dispositionen des IKS zu finden sind, mit eingeschlossen wurde hier auch Adjektive, welche als Big Five Marker dienten. Die vierte Stichprobe enthielt Adjektive, die soziale Evaluationen sowie physische Charakteristiken ausdrücken, in der Liste eingeschlossen waren 40 Big Five Marker Adjektive. Aus allen Stichproben wurde mittels clusteranalytischer Verfahren Adjektivcluster extrahiert. Es wurden anschließend diejenigen Adjektivcluster weggelassen, deren zusammengefasste Items eine Korrelation größer als 0,25 mit einem der Big Five Faktoren ausfwies. Insgesamt konnten Saucier und Goldberg so 53 Adjektivcluster ermitteln, die Kandidaten für mögliche Persönlichkeitsfaktoren außerhalb der Big Five darstellten.

Zur Kreuzvalidierung wurden die Adjektive der Kandidaten-Cluster einer Stichprobe von 694 Personen vorgelegt. Dies geschah in zwei Teilen. Der erste Teil bestand aus Selbstbeurteilungen der Cluster 1 bis 25 und enthielt 100 Big Five Marker Items.  Der zweite Teil bestand aus Selbstbeurteilungen der Cluster 26 bis 53 und enthielt 40 Big Five Marker Items. Jede Beurteilung wurde z-transformiert um interindividuelle Differenzen bezüglich der Beurteilungsskalen zu eliminieren. Die 100 Big Five Marker des ersten Teils wurden einer Hauptkomponentenanlyse und Varimax-Rotation unterzogen und fünf Faktoren extrahiert. Die 40 Big Five Marker des zweiten Teils wurden ebenfalls einer Hauptkomponentenanalyse und Varimax-Rotation unterzogen und fünf Faktoren extrahiert, wodurch die Hauptkomponentenwerte  als Indikatoren für die Big Five berechnet werden konnten. Die Einschätzungen auf den Adjektivskalen wurden nun benutzt, um eine Reliabiltätsanalyse innerhalb der Cluster durchzuführen. Diese hatte das Ziel, innerhalb der einzelnen Cluster möglichst hohe interne Konsistenzen zu erhalten. Danach wurde eine multiple Regression der Summenscores der Items aus den Adjektivclustern auf die Big Five durchgeführt. Die Autoren legten der weiteren Analyse ein Minimax Kriterium zugrunde: möglichst geringe multiple Korrelationen der Adjektivcluster mit den Big Five und gleichzeitig eine hohe Reliabilität. Hohe Reliabilitäten waren deswegen notwendig, weil niedrige multiple Korrelationen allein durch niedrige Reliabilitäten bedingt werden können. Als Kriterium dafür, dass Persönlichkeitsbereiche „jenseits der Big Five“ anzusiedeln sind, wählten Saucier und Goldberg eine multiple Korrelation die kleiner als 0,30 ist. Nach diesem Kriterium fallen sechs Adjektivcluster außerhalb der Big Five, d. h bilden eigenständige Persönlichkeitsdimensionen die nicht durch die Big Five beschriebent werden. Dies sind die Cluster: Short-Tall, Busy-Overworked, Employed-Unemployed, Religious-Nonreligious, Young-youthful und Slim-Slender.

Eine andere Betrachtungseise als das Korrelationskirterium ist, entsprechend den Annahmen der lexikalischen Hypothese, dass eine Persönlichkeitsdimension, die wichtig ist durch mehr Begriffe in einer Sprache repräsentiert wird, die Anzahl der Adjektive in einem Cluster zu betrachten. Die genannten Cluster genügen diesem Kriterium erfüllen, auch wenn die Anzahl der Adjektive in einigen Clustern nicht sehr hoch ist. Die Adjektive Short-Tall, Busy-Overworked, Employed-Unemployed, Young-Youthful, Religious-Nonreligious und Slim-Slender gehören mit zu den Begriffen, die zur Beschreibung von Personen am häufigsten gebraucht werden. Andere Cluster mit einer hohen Anzahl von Begriffen sind Negative Valence und einige Aspekte, die unter Attraktivität fallen. Diese Kriterium weist aber den Nachteil auf, dass es keine Maßzahl gibt um zu bestimmen, welche Cluster im Vergleich zu anderen Clustern eine entsprechend hohen Anzahl an zugehörigen Adjektiven aufweisen.

Saucier und Goldberg (1998) kommen zu dem Schluss, dass Short-Tall, Busy-Overworked, Employed-Unemployed, Young-Youthful und Slim-Slender außerhalb der Big Five liegen. Dazu kann man auch noch Negative Valenz nehmen und einige Aspekte der Attraktivität als Faktoren, die möglicherweise außerhalb der Big Five liegen.

Eine weitere Untersuchung, die sich mit der Frage nach Persönlichkeitsdimensionen außerhalb der Big Five befasst, wurde von Schmitt und Buss (1993) durchgeführt. Der Fokus liegt hierbei auf Persönlichkeitsfaktoren, welche für die Partnerwahl relevant sind. Das dies hauptsächlich Faktoren sind, die sich auf äußerliche Charakteristika, Sexualität und gesellschaftliche Stellung beziehen, kann angenommen werden, dass solche Faktoren nicht mit Hilfe der Big Five beschrieben werden können. Ziel der Studie von Schmitt und Buss war die Klärung folgender fünf Fragen:

  1. Welche Dimensionen zur Beschreibung potenzieller Partner lassen sich mit Hilfe des lexikalischen Ansatzes finden?
  2. Welche psychometrischen Eigenschaften besitzen die aus den Faktoren abgeleiteten Skalen?
  3. Wie ist der Zusammenhang dieser Persönlichkeitsdimensionen mit den Big Five?
  4. Handelt es sich bei den gefundenen Faktoren um von den Big Five eigenständige Dimensionen oder sind es nur Facetten der Big Five?

Da die Studie von Schmitt und Buss auf dem lexikalischen Ansatz aufbaut, ist der erste Schritt die Erstellung einer geeigneten Wortliste. Als Quelle benutzen die Autoren Roget´s II: The New Thesaurus von 1980 und Webster´s New World Thesaurus von 1971.  Alle Wörter, die mit dem Wort sexuell assoziiert waren, wurden im ersten Schritt ausgewählt. Daraus ergaben sich 332 Adjektive. Im zweiten Schritt wurden dann redundante, archaische und zu sehr formale Wörter ausgeschlossen, z. B. autoerotisch, zoophil u.a. Dies führte zu 105 Adjektiven. Die so entstandene Liste wurde danach der ersten Stichprobe mit der Anweisung überlassen, sich eine Selbstbeurteilung nur auf solchen Wörter vorzunehmen, welche die Versuchspersonen auch verstanden. Ein Wort wurde dann aus der Liste getilgt, wenn mehr als ein Viertel der Versuchspersonen keine Selbstbeurteilung vornahmen. Dies führte dann zu einer Liste, die 67 Adjektive enthielt. Diese sind in Tabelle 1 aufgeführt. Die Zahl an Wörtern ist sehr gering, und wie wir weiter unten noch aufführen werden, sind bei weitem nicht alle Dimensionen zur Persönlichkeitsbeschreibung abgedeckt, die aufgrund der theoretischen Überlegungen zur Partnerwahl denkbar wären. Dies rührt größtenteils aber auch daher, dass sich die Autoren an ihre eigene Theorie zur Partner, der Sexual Strategies Theory von Buss und Schmitt (1993) beschränkten. Anderes Aspekte der Partnerwahl, die nicht in dieser Theorie beschrieben werden, wurden somit nicht berücksichtigt.

Englisch

Deutsch

Englisch

Deutsch

abstinent

enthaltsam

ladylike

damenhaft

adorable

verehrungswürdig

lewd

unzüchtig, liederlich

adulterous

ehebrecherisch

loose

locker

affectionate

liebevoll, herzlich

ovable

liebenswert, -würdig

alluring

verlockend

loving

liebevoll

amorous

verliebt

lustful

lüstern

arousing

erregend

manly

männlich

asexual

asexuell

marriable

 

attractive

attraktiv

masculine

maskulin

bisexual

bisexuell

monogamous

monogam

celibate

unverheiratet

nymphomanical

nymphomanisch

charming

bezaubernd

obscene

obszön

chaste

keusch, unschuldig

orgasmic

orgasmisch

compassionate

mitleidig

orgiastic

orgiastisch

coy

schüchtern

passionate

leidenschaftlich

crude

roh

erverted

pervers

cuddlesome

kuschelig

polygamous

polygam

devoted

zärtlich, ergeben

promiscuous

promiskuitiv

effinate

 

provocative

provokativ, aufreizend

erotic

erotisch

prudish

prüde

faithful

treu, ehrlich

risqué

gewagt

feminine

feminin

romantic

romantisch

flirtatious

kokett

seductive

verführerisch

gentlemanly

gebildet, vornehm

sensual

sinnlich

hart-to-get

schwer zu kriegen

sexual

sexuell

heterosexual

heterosexuell

sexy

sexy

homosexual

homosexuell

shameless

schamlos

horny

geil

stunning

toll, famos

immodest

unanständig

suggestive

anregend, zweideutig

indecent

ungebührlich, unanständig

sultry

hitzig, heftig

indiscreet

indiskret, taktlos

unfaithful

treulos

jealous

eifersüchtig

virginal

jungfräulich

kinky

ausgefallen

vulgar

vulgär

 

 

womanly

fraulich

Diese Adjektive wurden anschließend Versuchspersonen Beurteilung auf einer neunstufigen Skala vorgelegt. Zum Erfassen der Big Five verwendeten die Autoren die 100 Adjektive umfassende Liste von Goldberg (1992). Zur Konstruktvalidierung wurden eine Reihe etablierter Skalen zur Messung sexueller Einstellungen und Eigenschaften verwendet. Dazu zählten Eysenck´s Inventory of Attitudes to Sex (Eysenck, 1976), das Attitudes to Sex Measure (Hendrick & Hendrick, 1987), Sterberg´s Love Style Questionnaire (Sternberg, 1988), der Personal Attributes Questionnaire (Spence & Helmrich, 1978), die Sexual Opinion Survey (Fischer, Bryne, White & Kelley, 1988), das Sociosexual Orientation Inventory von (Simpson & Gangestad, 1991), die Marlow-Crone Social Desirability Scale (Crowne, 1979) und der von Schmitt und Buss eigens entwickelte Confidential Romantic History Questionnaire, der die aktuelle Beziehung der Versuchspersonen sowie das vergangene Sexualverhalten einschätzen soll (leider machen die Autoren keine näheren Angaben über dieses letzte Instrument). Die Adjektivliste und die übrigen Fragebogen wurden insgesamt vier Stichproben vorgelegt. Die erste Stichprobe bestand aus 56 weiblichen und 60 männlichen Studenten. Die zweite Stichprobe bestand aus jeweils 48 Frauen und Männern, die an einer Studie über heterosexuelle Paare teilnahmen. Die dritte Stichprobe bestand aus Psychologiestudenten mit 113 Frauen und 42 Männern. Die vierte Stichprobe bestand wiederum aus Studenten mit 114 Frauen und 93 Männern. Die ersten drei Stichproben wurden für die Analyse zusammengefasst, so dass insgesamt die Selbstbeurteilungen von 217 Frauen und 150 Männern ausgewertet wurden. Die vierte Stichprobe lieferte Fremdbeurteilungen. Das Durchschnittsalter der gesamten Stichproben war 23 Jahre mit einer Standardabweichung von 5,1 Jahren. Die Teilnehmer waren überwiegend weiße, allein stehende Amerikaner.

Zur Auswertung der Selbstbeurteilungen auf den 67 Adjektiven wurde eine Hauptachsenanalyse mit Oblimin-Rotation durchgeführt. Es ergaben sich 14 Eigenwerte, die größer als Eins waren (11,95; 9,48; 3,98; 3,06; 2,56; 1,98; 1,93; 1,48; 1,35; 1,23; 1,20; 1,16; 1,08; 1,02). Der Screeplot deutet auf eine zwei- bzw. siebenfaktorielle Lösung hin. Die siebenfaktorielle Lösung änderte sich nicht bei Anwendung verschiedener Faktorextraktions- und Rotationsmethoden und darüber hinaus war die Zusammensetzung der Faktoren bei einer nach Geschlecht getrennten Extraktion auch weitestgehend kongruent, so dass Schmitt und Buss sich für die siebenfaktorielle Lösung entschieden. Die sieben Faktoren wurden Sexual Attractiveness, Relationship Exclusivity, Gender Orientation, Sexual Restraint, Erotophilic Disposition, Emotional Investment und Sexual Orientation benannt. Bei der Interpretation der Faktoren wurden nur Ladungen berücksichtig, die betragsmäßig größer als 0,30 waren (Gorsuch, 1983). Jeder dieser Faktoren erfasst eine im evolutionären Sinn und für die Partnerwahl wichtige Dimension interindividueller Unterschiede. Diese Faktoren bezeichnen die Autroen als „Sexy Seven“.

Der erste Faktor Sexual Attractiveness wird aus den Adjektiven sexy, stunning, attractive, alluring, arousing, sensual, seductive, sultry, adorable, provocative, erotic, amorous und flirtatious gebildet. Der Faktor hat eine interne Konsistenz von ?=0,91 (Cronbach´s Alpha) sowie eine zeitliche Stabilität über vier Wochen von r=0,92, wobei Schmitt und Buss in keinem Faktor eine Auswahl der Items zur Erhöhung der Reliabilität vornahmen. Der Faktor korrelierte nicht signifikant mit sozialer Erwünschtheit.

Der zweite Faktor Relationship Exclusivity besteht aus den Adjektiven faithful, unfaithful, monogamous, polygamous, promiscous, adulterous, devoted und loose. Der Faktor besitzt eine interne Konsistenz von ?=0,86 und eine zeitliche Stabilität von r=0,87. Es zeigte sich auch eine signifikante Korrelation von r=0,61 mit dem SOI von Simpson und Gangestad (1991).

Der dritte Faktor Gender Orientation wird aus den Adjektiven feminine, womanly, manly, masculine, ladylike, gentlemanly und effeminate gebildet. Er hat eine interne Konsistenz von ?=0,96 und eine zeitliche Stabilität von r=0,96. Er korrelierte signifikant von mit der Gender Role Orientation von Spence und Helreich (1987).

Der vierte Faktor Sexual Restraint besteht aus den Adjektiven virginal, celibate, abstinent, chaste und prudish. Er hat eine interne Konsistenz von ?=0,83 und eine zeitliche Stabilität von r=0,92. Er korrelierte negativ mit der Zahl sexueller Kontakte.

Der fünfte Faktor Erotophilic Disposition besteht aus den Adjektiven obscene, vulgar, lewd, crude, indecent, perverted, shameless, risqué, indiscreet, immodest, kinky und horny. Er hat eine interne Konsistenz von ?=0,88 und eine zeitliche Stabilität von r=0,87. Er korrelierte signifikant mir der Erotophobia-Erotophilia Skala von Fisher et al. (1988).

Der sechste Faktor Emotional Investment besteht aus den Adjektiven loving, lovable, cuddlesome, romantic, affectionate, compassionate und passionate. Er hat eine interne Konsistenz von ?=0,87 und eine zeitliche Stabilität von r=0,86. Er korreliert signifikant mit der Emotional Investment Subskala der Intimate Love Scale von Sternberg (1988).

Der siebte Faktor Sexual Orientation wird aus den Adjektiven homosexual und bisexual gebildet. Er besitzt eine interne Konsistenz von ?=0,74 und eine zeitliche Stabilität von r=0,70. Anzumerken ist hier, dass das Adjektiv heterosexual nur eine Faktorladung -0,18 hatte. Bei diesem Faktor ist die, im Vergleich zu den übrigen Faktoren, niedrige zeitliche Stabilität zu beachten. Dies könnte darauf schließen lassen, dass die Versuchspersonen bei beiden Befragungen eher beliebig antworteten als ihre wahre sexuelle Orientierung anzugeben. Da sich bei dem Faktor Sexual Orientation allerdings die niedrigste internen Konsistenz und zeitliche Stabilität findet, lässt sich nicht annehmen, dass das oben vermutete Antwortverhalten sich auf die anderen Faktoren übertragen lässt. Zusätzlich ist zu beachten, dass sich der Faktor nur aus zwei Items zusammensetzt, womit auch keine allzu große interne Konsistenz zu erwarten ist.

Es gab auch Adjektive, die nicht primär auf nur einem Faktor luden. Diese waren sexual, suggestive, hard-to-get, charming, nymphomaniaca, orgasmic, asexual, coy, marriable, jealous und orgastic.

Es wurde darüber hinaus untersucht, ob sich für eine nach Geschlechtern getrennte Faktorisierung der Adjektivliste die gleiche Faktorenstruktur ergibt. Es zeigte sich bei den Selbstbeurteilungen jedoch für Männer wie für Frauen die gleiche Faktorenstruktur. Lediglich in der Reihenfolge der Faktoren ergaben sich Unterschiede. Für Männer ergab sich die Reihenfolge Emotional Investment, Relationship Exclusivity, Gender Orientation, Erotophilic Disposition, Sexual Restraint, Sexual Orientation und Sexual Attractiveness, während sich für Frauen die Reihenfolge Sexual Attractiveness, Relationship Exclusivity, Sexual Restraint, Gender Orientation, Emotional Investment, Erotophilic Disposition und Sexual Orientation ergab. Beide Geschlechter werden folglich nach den gleichen Dimensionen beurteilt, auch wenn die Wichtigkeit der Faktoren unterschiedlich zu sein scheint.

Die nächste Frage beschäftigte sich mit dem Zusammenhang zwischen den Sexy Seven und den Big Five. Um diesen Zusammenhang aufzuzeigen, wurden die sieben Dimensionen mit den Big Five korreliert. Dabei wurde zum einen zwischen jedem der sieben Faktoren und jedem der Big Five Faktoren eine bivariate Korrelation berechnet sowie zusätzlich die multiple Korrelation mit den Big Five als Prädiktoren und den Sexy Seven als Kriterien bestimmt. Wegen der Geschlechtsunterschiede, die sich bei der nach Geschlechtern getrennten Faktorisierung ergaben, wurden diese Korrelationen für beide Geschlechter getrennt berechnet (s. Tabelle 2 und Tabelle 3).

 

Sexual Attractiveness

Relationship Exclusivity

Gender Orientation

Sexual Restraint

Erotophilic Disposition

Emotional Investment

Sexual Orientation

Extraversion

0,45**

-0,21*

-0,20

-0,39**

0,26*

0,26*

-0,13

Verträglichkeit

0,13

0,20

-0,07

0,08

-0,30**

0,50**

-0,13

Gewissenhaftigkeit

-0,04

0,11

-0,16

0,13

-0,16

0,02

-0,11

Emotionale Stabilität

0,07

-0,05

0,13

0,13

0,02

0,01

0,00

Offenheit

-0,12

0,17

0,14

0,09

-0,11

0,17

0,23*

R

0,49

0,36

0,36

0,43

0,44

0,60

0,34

 

 

Sexual Attractiveness

Relationship Exclusivity

Gender Orientation

Sexual Restraint

Erotophilic Disposition

Emotional Investment

Sexual Orientation

Extraversion

0,41**

-0,11

0,05

-0,33**

0,43**

0,24**

-0,05

Verträglichkeit

0,14

0,37

0,25**

0,12

-0,21*

0,59**

-0,15

Gewissenhaftigkeit

-0,04

0,23*

0,16

-0,10

-0,26**

-0,05

-0,15

Emotionale Stabilität

-0,06

0,00

0,05

0,15

0,09

0,11

0,08

Offenheit

0,26**

0,03

0,00

0,09

0,13

0,11

0,24**

R

0,53

0,45

0,32

0,38

0,55

0,69

0,32

Ein weiteres Ziel der Studie bestand darin aufzuklären, ob es sich um zusätzliche Dimensionen zu den Big Five handelt, oder ob es sich bei den Sexy Seven um Facetten der Big Five handelt. Dazu wurden als erstes die multiplen Korrelationen der Big Five mit den Sexy Seven betrachtet. Nach dem wie bei Saucier und Goldberg (1998) angewendeten Kriterium wurde eine multiple Korrelation, die kleiner als 0,30 in dem Sinn interpretiert, dass dieser Faktor nicht zu den Big Five gehört.

Allerdings bedeutet eine multiple Korrelation von 0,30 nur, dass 10 Prozent der Varianz zwischen den Prädiktoren und dem Kriterium geteilt werden. Nach Paunonen und Jackson (2000) ist dies viel zu liberal, um zu entscheiden, ob ein Faktor nicht mehr im Raum Big Five liegt. Liberal bedeutet hier, dass wegen der niedrig angesetzten Varianzaufklärung implizit angenommen wurde, dass es viele Faktoren gibt, die nicht im Raum der Big Five liegen. Wie die Tabelle 2 und die Tabelle 3 zeigen, sind alle multiplen Korrelationen größer als 0,30.

Wegen der Liberalität des Korrelationskriteriums, führten Schmitt und Buss darüberhinaus Tests durch, um zu entscheiden, ob die Faktoren zu den Big Five gehören oder unabhängige Faktoren bilden. Dazu wurde eine kanonische Korrelation zwischen den Big Five und den Sexy Seven berechnet. Bei einer kanonischen Korrelationsanalyse werden die Kriteriums- und Prädiktorvariablen getrennt faktorisiert. Dann werden der erste Faktor der Kriteriumsvariablen und der erste Faktor der Prädiktorvariablen so rotiert, dass ihre Korrelation maximal wird (Bortz, 1999). Diese maximale Korrelation wird dann als kanonische Korrelation bezeichnet. Die kanonische Korrelation erfasst die gemeinsame Varianz zwischen den Kriteriumsvariablen und den Prädiktorvariablen. Die kanonische Korrelationsanalyse ergab hier 79,6 Prozent gemeinsame Varianz, was auch wieder darauf hindeutet, dass die Kriteriums- und Prädiktorvaribalen die gleiche Varianz teilen und die Sexy Seven nicht von den Big Five unabhängige Persönlichkeitsfaktoren bilden. Als dritter Test wurden die Big Five und die Sexy Seven einer gemeinsamen Faktorenanalyse unterzogen. Die Grundlage für eine solche Faktorenanalyse ist die Interkorrelationsmatrix der Faktorwerte der Big Five und der Sexy Seven. Eine Hauptachsenanalyse mit Oblimin-Rotation für Männer, Frauen und beide Geschlechter zusammen legt eine fünffaktorielle Lösung nahe. Die fünffaktorielle Lösung ist sowohl mittels des Screenplots als auch der Zahl der Eigenwerte größer als eins plausibel. Die für beide Geschlechter zusammen resultierende Lösung ist in Tabelle 4 angegeben. In der Tabelle sind die Kongruenzkoeffizienten für die Faktorenstrukturen von Männern und Frauen angegeben. Ausgewertet wurden die Antworten von 311 Versuchspersonen (131 Männer und 180 Frauen). Auch diese Faktorenanalyse lässt den Schluss zu, dass die Sexy Seven in den Big Five enthalten sind und keine eigenstämndige Persönlichkeitsfaktoren bilden.

„Sexy Seven“ und Big Five Faktoren

Faktor 1

Faktor 2

Faktor 3

Faktor 4

Faktor 5

Verträglichkeit

0,87

-0,12

-0,08

-0,05

0,08

Emotional Investment

0,73

0,38

0,06

0,17

-0,02

Sexual Attraktivness

0,29

0,71

0,20

0,00

0,06

Extraversion

0,02

0,64

-0,08

0,06

-0,05

Erotophilic Disposition

-0,17

0,54

0,05

0,06

0,46

Sexual restraint

0,10

0,47

0,04

0,12

0,05

Offenheit

0,07

-0,01

0,80

-0,09

-0,12

Sexual Orientation

-0,14

-0,02

0,30

0,07

0,11

Emotional Stability

-0,07

-0,06

-0,01

0,72

0,05

Gender Orientation

0,21

0,07

-0,03

0,42

-0,32

Gewissenhaftigkeit

-0,10

0,05

-0,01

0,00

-0,55

Relationship Exclusivity

0,32

-0,19

0,05

0,11

-0,40

Kongruenz Männer

0,97

0,94

0,82

0,63

0,15

Kongruenz Frauen

.0,95

0,99

0,93

0,64

0,84

Ein weiterer und letzter Test bestand in einer kombinierten Faktorenanalyse der 100 Goldberg-Items und der 67 Items des sexuellen Lexikons. Es wurde erneut ein Hauptachsenanalyse mit Oblimin-Rotation durchgeführt. Auch hier zeigte sich eine deutliche Fünf-Faktorenstruktur. Der erste Faktor enthielt fast alle Items, die Verträglichkeit sowie Emotional Investment und Relationship Exclusivity erfassen. Der zweite Faktor bestand aus Items, die Sexual Attractiveness und Erotophilic Disposition umfassen. Der dritte Faktor enthielt alle Items, die Emotionale Stabilität und Gender Orientation erfassen. Der vierte Faktor bestand aus Items, die Extraversion und Gewissenhaftigkeit sowie Sexual Restraint erfassen. Der fünfte Faktor enthielt Items, die Offenheit für Erfahrungen und Sexual Orientation erfassen. Da Sexual Attractiveness und Erotophilic Disposition einen eigenen Faktor bildeten, argumentieren Schmitt und Buss, dass bestimmte Aspekte der physischen Attraktivität einen von den Big Five unabhängigen Faktor bilden können (s. a. Henss 1997, Saucier und Goldberg, 1998). In der genannten Untersuchung von Saucier und Goldberg (1998) wurde ein möglicher Attraktivitätsfaktor gefunden, der außerhalb des Raumes der Big Five liegt. Zusammenfassend kann man sagen, dass für die meisten Faktoren der Sexy Seven, bis auf Ausnahme einzelner Aspekte der Attraktivität, gilt, dass sie in den Big Five als Facetten enthalten sind.

Als Fazit kann man also festhalten, dass die Big Five zwar ein umfassendes Bild der Persönlichkeit einer Person vermitteln, dieses Bild aber nicht vollständig ist. Zum anderen wird aber auch deutlich, wie stark methodische Aspekte – in diesem Fall die Auswahl und Zusammenstellung der Adjektive, die schließlich zur Entdeckung der Big Five führten – die Forschungsergebnisse beeinflussen.

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